Geschrieben von
Olaf am Montag, 29. September 2008

istockphoto © John W. DeFeo
Herren mit Sinn für Eleganz und Ästhetik werden vielleicht die Nase rümpfen, wenn sie hören, dass der Einbruch des Rustikalen bevorsteht: Das Karo kehrt nämlich wieder zurück. Das Karo des Holzfällerhemdes. Allerdings – die Nase kann wieder entrümpft werden – nicht in Flanelloptik, sondern mehr in glatteren Baumwoll-Qualitäten.
Modeschöpfer Wolfgang Joop – ohnehin nicht selten in Karohosen gesehen – kombinierte unlängst auf einer Berliner Modenschau Karo-Hemden mit Jeans, um zu zeigen, wo der Trend im Herbst und Winter 2008 langgeht. Oder sagen wir mal, der Freizeittrend, denn außer Designern und Künstlern wird sich kaum jemand trauen, Karo zum Anzug zu tragen.
Übrigens Karo, das hatten wir doch alles schon einmal, genau – und deswegen heißt der Karo-Trend jetzt auch Tartan-Look. Was wiederum nichts mit der gleichnamigen Kunststoffbahn der Leichtathleten zu tun hat, sondern mit dem schottischen Webmuster gleichen Namens. Tartan sind große Karo-Webmuster, die durch die Verwendung von unterschiedlich farbigen Fäden entstehen. Die Herstellung hat eine uralte schottische Tradition. Die Karos sind übrigens erfunden worden, um die zahlreichen Clans auseinanderzuhalten. Jedem Clan-Kilt ein Karo sozusagen – damit die streitbaren Herrschaften wussten, wer zu wem gehört. Italienische Mode-Designer für Herrenkleidung - nicht gerade als Karo-Freunde bekannt - lästern, dass beim Holzfällerhemd der Kilt nur eine Etage höher gerutscht sei.
Doch die haben auch allen Grund zu lästern, weil außer den Briten in Sachen Karo kaum jemand etwas zu melden hat. Schotten, Iren und Engländer sind es, denen wir das Karo zu verdanken haben. Das klassische „Burberry-Muster“, des königlichen Hoflieferanten ist sicher das berühmteste Karo-Muster. Fast genauso bekannt ist das „Argyle-Karo“, das sich auf den klassischen Burlington-Socken genauso findet, wie auf den Pullovern und Pullundern , die jedes Jahr aufs Neue gesichtet werden. Aber gegen solch filigranes Karo sind die groben Tartan-Muster, die wir jetzt zu Gesicht bekommen, fast schon grobschlächtig. Herrenmode für Holzfäller eben.