Sie war meine beste Freundin und ich liebte sie abgöttisch. Wir taten alles zusammen. Wir teilten die gestohlenen Kirschen gerecht auf. Wir schliefen in Stockbetten, und wenn wir uns vor den Monstern fürchteten, die uns in einem der Filme begegneten, die wir nicht sehen durften und dennoch ansahen, dann hielten wir einander solange mit Witzen wach, bis wir rote Augen und große Zähne vergessen hatten. Alles war gut. Bis wir in ein Alter kamen, wo man beginnt, andere Dinge als Bonbons oder verbotene Zeitschriften gemeinsam kaufen zu gehen. Ich nehme an, es war an einem Kleiderständer, in irgendeinem größeren Laden irgendeiner nicht näher benannten Modekette, als sie mir gegenüberstand und ich mir vorkam, als würde ich einem Spiegel gegenübertreten. In ihrer Rechten hielt sie exakt die Kleider, die ich in meiner Linken hielt und sie grinste, so wie ich grinste, bis mir die Situation klar wurde: dass meine beste Freundin keinen eigenen Geschmack hatte. Sie hatte mich schlicht kopiert, und später auf der Straße würde niemand mehr wissen, wer die Kopie von wem war. Sie war ein Anschlag auf meine Individualität. Ich hängte sofort wieder alle Kleider auf den Ständer zurück und wartete vor der Umkleide, bis sie mit dem Anziehen fertig war. Sie kaufte nichts von all dem. Meine abrupte Ablehnung hatte sie unsicher gemacht.
Man muss nicht 13 sein und gerade seinen modischen Geschmack entdecken, um immer wieder in Situationen zu geraten, wo man sich durch die eigene Umgebung kopiert sieht. Es kann auf die harmlose Art geschehen, etwa, dass man bemerkt, dass jemand seinen Schmuck so zu tragen beginnt wie man selbst, dass er sich die gleichen Ohrringe kauft oder sich erkundigt, wo man dieses oder jenes gekauft habe. Dennoch bleibt es ein Eingriff in die Persönlichkeit. Man möchte mit seiner modischen Zusammenstellung allein sein. Man möchte nicht, dass Betty mit dem gleichen Rock zur Uni kommt, wie man selbst, und man kann darauf verzichten, dass alle herausfinden, wo man die schönsten Schuhe der Saison gekauft hat. Verschwiegenheit ist ein Garant für Überraschungen. Wer sich allen mitteilt überrascht nicht mehr.
Ich ging dann dazu über, meine Kleider im Internet zu bestellen. Dorthin folgte mir keine Freundin. Meine Suchen waren undurchschaubar und nur meinem eigenen verqueren Kopf nachzuvollziehen. Meine Schleichwege waren zahlreich. Und je sicherer ich in meinem eigenen Geschmack wurde, desto leichter fiel es mir, meiner besten Freundin bei ihrer Kleiderwahl zu helfen. Denn im Grunde sah ich ja doch, was ihr stehen würde. Und das war meist etwas ganz anderes, als das, was ich gerne tragen wollte.














In dieser Saison ist der Boyfriend-Look noch mega in. Hochgekrämpelte Jeanshosen, weite längere Strickjacken und grössere Blazer kennzeichnen den lässigen Stil, sorgen nicht nur für einen trendigen Look, sondern ist gleichzeitig auch noch super bequem.
